„Es gab keine keine Pflicht für erwachte Menschen als die Eine: sich selber zu suchen, in sich fest zu werden, den eigenen Weg vorwärts zu tasten, einerlei wohin er führt.“
[Herman Hesse, Gärtner und Philosoph]
Die elterliche Gärtnerei befand sich auf einem grossen Grundstück von mehreren Hektaren. Neben dem Wohnhaus und den Glashäusern, die als Produktionsstätten für die Aufzucht der Pflanzen dienten, gab es alte Schuppen, die wir als Kinder zum Verstecken spielen nutzen, es gab kleine Erdgewächshäuser, Obstwiesen und Biotope, unzählige Bàume und Sträucher, bunte Blumenfelder…
Überall blühte und grünte es in der Wachstums- und Erntezeit. Wir Kinder waren auch eingebunden in die nie enden wollende Arbeit, die so ein Unternehmen mit sich bringt.
In den Sommern meiner Kindheit gab es aber auch diese Momente, wo ich ganz allein für mich sein konnte. Unter einem der Obstbäume im Gras liegend, konnte ich in die Weite des Himmels über mir schauen. Es roch nach Gras und Erde, es duftete, es summte, es flirrte in diesen heissen Sommern. Um mich herum ein Vibrieren, ein Fliessen und ein Strömen… Und für einen Moment stand die Erde still. Alles war lebendig und alles auf eine Art vollkommen – eine vollkommene Übereinstimmung.
Diese Momente gaben mir eine sichere Gewissheit der tiefen Verbundenheit, ein Gefühl des Aufgehobenseins, ein Getragensein – im Garten, einem der schönsten Orte der Welt.
Dieses Erleben half mir damals, wenn düstere Wolken sich zusammenbrauten – in einem belasteten Familiensystem.
Und auch heute unterstützt mich das Erinnern an dieses Verbundensein immer wieder in schwierigen Lebensphasen und immer, wenn sich das Leben zerbrechlich und zerstörerisch zeigt. Eine prägende Erfahrung, die mir ermöglicht, ein UR-Vertrauen ins Leben zu haben und mir die Sicherheit gibt, auf einem festen Boden zu stehen.
So ist es (m)eine Aufgabe, ein lebenslanges Bemühen, lernen zu fühlen und zu lieben.
Mit ganzem Herzen da zu sein, mit wachem Verstand und einem grossen JA auf den Lippen, um den Sinn des Lebens zu erfahren.
Denn immer sind wir es selbst, die als Gestalter der eigenen Lebenswirklichkeit aufgefordert sind, wach und behutsam den eigenen Weg zu gehen, einerlei wohin er führt.
2024 © Maisha Amaya